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und für streng vertrauliche Fälle:
Dr.Andreas.Roth@Denkfabrikat.de

 

Grundriß der Hermeneutik der neueren Thermotheologie
- ERSTE LIEFERUNG -
In Dankbarkeit
1.1. Grundriß vom Grundriß
Es spottet jeder Beschreibung, meiner Freude Ausdruck zu verleihen, hier die erste Lieferung meiner Hermeneutik der neueren Thermotheologie dem Leser vorlegen zu dürfen. Es ist, erlauben sie mir dies zu sagen, nicht weniger als eine neue Grundlegung der Thermotheologie, die ich vorsichtshalber Hermeneutik genannt habe, um nicht falscher Bescheidenheit geziehen zu werden. In Wirklichkeit handelt es sich hier um die causa rerum einer neuen Theologie, die "Entweder THERMOTHEOLOGISCH ist, oder gar nicht ist" (Karl Barth, 1953, anläßlich seines ersten Todestages).
Ich möchte an dieser Stelle Dank sagen. Zuallerst für die mir von der Denkfabrik freundlich gewährten Forschungs-Freisemester: ohne sie wäre ich nicht was ich bin, und - ich will es nicht verhehlen - das ist gut so. Zudenn dem vormaligen Kollegen in der thermotheologischen Wissenschaft Jostos van der Vesting, der einen anderen Weg genommen hat als den meinigen. Er zog den Weg der verfaßten und (G) 3einigen Kirche hinauf zum P@pst-Amt, in dessen Herrlichkeit und Fülle er nur noch selten einen seiner geschmirgelten Aufsätze formulieren kann, ich quittiere das mit Trauer und Entsetzen. Zuletzt möchte ich meinem langjährigen polnischen Assistenten Jerzy Regulski danken, für die durch das Lohngefälle überaus preiswerte Durchsicht des Manuskript und manch nützliche Korrektur. Er hat das Register angefertigt.
Dresden, St. Johannäii, 2001

1.2. Der Schlag ins Kontor - Von den ersten Worten

Gestatten sie mir diesen kurzen Gedanken, und ersparen Sie mir ihn zu erläutern.
Ein Schlag ins Kontor ist nur dann ein Schlag ins Kontor, wenn er auch ins Kontor geht. Ich denke, das ist Konsens. Der Konsens hört aber auf, wenn ich postuliere: "Auch wenn ein Schlag nicht ins Kontor geht, kann es - ja muß es in Fällen - ein Schlag ins Kontor sein."
Ich meine, dass diese These die Wissenschaft und hiero besonders die herkömmliche Theologie gehörig in Aufregung versetzen sollte. Denn an diesem Vers werde ich im folgenden die in der zeitgenössischen Bibelwissenschaft geläufige historisch-kritische Methode madig machen, bis sie "einem sauer aufkömmt" (M. Luther, Tischreden, Weimarer Ausgabe, 1523-46).
Zum ersten Male habe ich die Grundlagen der neueren Thermotheologie in der Vorlesung Thermotheologie II. am Dr.-Andreas-Roth-Institut vor einigen Jahren skizziert, die älteren unter Ihnen werden sich noch erinnern. Das "Völlig Unklare", mithin das Verästelt Komplexe alles Religösen ist mit dem rationalen Handwerkszeug des frühen 17. Jahrhunderts nicht zu kriegen, hieß es damals von meinem Pult aus, aber die akademische Wissenschaft setzte ungerührt ihr Treiben fort. Keine Umkehr, nirgends. Ich will es jetzt mit einem großangelegten Experiment beweisen. Ausgangspunkt sei unser lesenswerter Vers, den ich bewußt als einen Durchschnittswert aller biblischen Sätze gebildet habe. Er gibt etwa den Durchschnitt in punkto logischer Konsistenz der biblischen Verse an:
"Auch wenn ein Schlag nicht ins Kontor geht, kann es - ja muß es in Fällen - ein Schlag ins Kontor sein."
Nun haben wir zwei Möglichkeiten den Vers auszulegen, und ich sag es gleich, eine gute und eine böse. Erstmal der Abschreckung halber die Böse.
Der historisch und kritisch im Sinne des frühen 17. Jahrhunderts denkende Ausleger, wie er an den Akademien und Kolloquien unseres Landes anzutreffen ist, würde das Verslein auseinandernehmen, 'Bis zum get no!', so lautet in den Arbeitssälen die Losung. Man stößt dann auf denkwürdigen Brüche im Satzgefüge: "Auch wenn ein Schlag nicht ins Kontor geht" ( Versteil a), okay, das verstehen wir, aber dann Einschub 1: "kann es" und Einschub 2: "-ja muß es in Fällen" , wie: kann oder muß, und in was für Fällen. Und dann das Finale: "ein Schlag ins Kontor sein." (Versteil b).
Der im Aufklärungs-Stil denkende Ausleger fängt gleich mit dem Zerlegen an, ohne ein Blick auf die kunstvolle Komposition zu lenken, sondern sieht nur die Brüche und legt sich daraufhin unterschiedliche Reime zurecht. Zum Beispiel so:
1. Variante: Es MUSS ja logisch sein, denn wer könnte unlogisch sein. Also muß es ursprünglich wohl so geheißen haben: "Auch wenn ein Schlag ins Kontor geht, kann es ein Schlag ins Kontor sein". Das "nicht" in Versteil a sowie Einschub b sind von einem späteren Redaktor hinzugefüget worden, warum auch immer. Oder so: "Auch wenn ein Schlag nicht ins Kontor geht, kann es kein Schlag ins Kontor sein". Das fehlende "Kein" in Versteil b ist dann durch die Verderbnis der Texte über die Jahrhunderte abhanden gekommen. Kann ja sein, nur nähert sich der Sinn des Verses einer Hanebüchnerei sondershausen.
2. Variante: Der Einschub b sowie das "Nicht" bezeichnen ursprünglich altorientalische Götternamen (z.B. der Tanstellengott Chnit) ,die durch Buchstaben-Umstellung in der Bibel unkenntlich gemacht werden sollten. Deshalb verstehen wir das nicht.
3. Variante: von den Kirchenvätern wurden wichtige Passagen aus dem Verse (gerade im Einschub b) getilgt, weil er sonst zu Frauen-freundlich ausgefallen wäre, denn im Kontor sind überwiegend Frauen tätig. Z.B. könnte dort ursprünglich gestanden haben: "Auch wenn ein Schlag nicht ins Kontor geht, kann es - ja muß es in Fällen wo Schreibkräfte vom Arbeiten abgehalten werden - ein Schlag ins Kontor sein."

Der Leser bemerkt selber den Irrtum, der in diesen Zeilen west, ich muß das nicht weiter ausführen. Zum einen ist die Grundannahme, der ältere Text muß auch der bessere Text sein, in biblischer Hinsicht nicht zu rechtfertigen. Warum auch soll eine Textversion aus dem 5. Jahrhundert v.W. (vor Weihnachten) wertvoller sein als die aus dem achten? Und zum anderen wird der Text in seiner jetzigen Gestalt als literarisches Zeugnis und sein Verfasser mit dieser Methode völlig links hinten liegen gelassen. Auf der Suche nach einem imaginären (und letzlich ja doch nie erreichbaren) Urtext wird die Aussage des vorliegenden Textes kaum noch wahrgenommen. Ihr Schillern und Funkeln, ihr changieren in den ungeraden Farben, Zahlen und Wegen des Lebens abseits der Rationalitäten der Wissenschaften wird völlig verneint und für ausgeschlossen erklärt.
Oh Ihr Toren, ruft Paulus Euch gekünstelt zu (1.Kor 1), aber er hat recht. Mit dieser Sprache einer rational sich messenden Wissenschaft ist vom "Völlig Unklaren" nicht sprechbar. "Worüber man nicht reden kann, davon muß man schweigen", hat mir Ludwig Wittgenstein einmal während einer Butterfahrt erzählt. "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten", dieses Diktum in lutherischer Tradition stammt von einem Unterhaltungskünstler unserer Tage. Wir aber können nicht schweigen, meine Damen und Herren.
Was also not tut, ist ein neuer Blick, mithin eine Jazz-Struktur des Erkennens, wie ich sie in meinen Vorlesungen vor Jahren schon ankündigte.
In den folgenden Lieferungen will ich dies verhandeln.

Zur Beachtung:
Hörerscheine sowie Fragen bitte im Sekretariat Zi. 208
oder unter Dr.Andreas.Roth@Denkfabrikat.de